Am 7. und 8. Mai 2024 ist das hippe Hamburger Treffen OMR der deutschen Online-Wirtschaft erneut über die Bühne gegangen.

Hamburg war die einstige Medienhauptstadt Deutschlands, bevor große Teile der Verlagsbranche im Zuge der deutschen Wiedervereinigung nach Berlin abgewandert sind. Wenig erinnert an diese Zeit. Geblieben sind der riesige Hafen samt Philharmonie, das Vergnügungsviertel Sankt Pauli, in dem einst die Beatles für Furore sorgten, ein vergesslicher Ex-Bürgermeister, der nunmehr als Kanzler fungiert, und eine Signa-Bauruine in Form des Elbtowers.

Seit 2011 gehört zum Repertoire Hamburgs auch eine Veranstaltung, die den kommerziellen Verwertungsmöglichkeiten im weltweiten Netz aller Netze gewidmet ist: Online Marketing Rockstars, wie der Branchentreff ursprünglich geheißen hat. Da der Name wohl doch zu aufgesetzt gewirkt hat, firmieren die einstigen Rockstars seit einigen Jahren nur noch als „OMR“, und auch die Bezeichnung OMR24 deutet nicht etwa auf eine Versionsnummer hin, sondern auf das Jahr, in dem die Veranstaltung stattfindet.

Ernüchterung statt Euphorie

Es lässt sich gar nicht übersehen: die Online-Nerds, die noch die ersten OMRs bevölkert haben, sind weitgehend verschwunden und haben Platz gemacht für Vertreter der klassischen Werbebranche und der Politik. Die Begriffe „Online“ und „Marketing“ sind ohnehin zu einem Synoynm geworden, leicht zu erkennen an der Tatsache, dass ein Großteil der Werbebudgets in Online-Aktivitäten fließt, während Print- und Plakatschaltungen nur noch in einer Nische vor sich hindarben.

Das mit den Rockstars sollte vermutlich anfangs auf die disruptiven Methoden im Online-Business anspielen, welche zu Beginn des Jahrtausends noch als rebellenhaft gedeutet worden sind. Auch dies aus der Zeit gefallen. Längst haben sogar Berufsoptimisten erkannt, welche Verwerfungen durch die neuen Spieler ausgelöst worden sind, statt Umbruch und Innovation gibt es heute eine Unzahl Variationen des ewig Gleichen. Mittlerweile sind exakte Richtlinien und Vorgehensweisen entstanden, und auf den Erfolg über Nacht wartet auch niemand mehr.

Allgemeine Hype-Ermüdung

Seit Mark Zuckerberg Nutzerdaten als materiellen Wert definiert hat, der sich gewinnbringend umsetzen lässt, was nicht wenige zu gewagten Äußerungen inspiriert hat wie jener, Daten seien das „neue Erdöl“, hat sich eigentlich nichts mehr getan in der Online-Werbewelt. Hoffnungen auf neue Impulse durch NFT oder Metaverse haben sich in Luft aufgelöst, und zum aktuellen KI-Hype lässt sich nur anmerken, dass die Claims längst von den USA und China abgesteckt sind.

Für die europäische Werbebranche heißt das einmal mehr, nach vorgegebenen Regeln arbeiten zu müssen. So fällt das Resümee der diesjährigen OMR trotz 67 000 Besuchern auch recht verhalten aus. Als größte Sensation lässt sich noch die Diskussion um KI-Software begreifen, die allerdings auch nichts Weltbewegendes zu Tage fördert. Womöglich sägt die Werbebranche sogar am eigenen Ast, hat Meta doch soeben ein Tool vorgestellt, das, selbstredend KI-basiert, von der Namensfindung für ein Produkt über PR-Text und Bildmaterial alle Aufgaben einer Werbeagentur übernehmen kann.

Ansonsten gab es auf der OMR reichlich Mainstream-Unterhaltung für die ganze Familie, bei der angesagte Influencer/Creators natürlich nicht fehlen dürfen. Ob dies für eine langfristige Perspektive reicht, scheint fraglich. 

Foto: Moritz Rehbein

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Quelle: Messe & Event Magazin

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Kategorien: Messebau

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